
Juri Gagarin im April 1961. Foto: wikimedia
Der erste Mensch im All: ein Christ
Der 12. April ist der internationale Tag der bemannten Raumfahrt: Vor 64 Jahren war Juri Gagarin als erster Mensch im Weltall. Der sowjetische Kosmonaut war bekennender Christ. Den berühmten Satz «Ich war im All und habe Gott nicht gefunden» soll er nämlich nie gesagt haben.
Nicole Arz
Es war eine beängstigende Situation für jene Frau, die mit ihrem Kind in der Nähe der russischen Stadt Engels auf ihrem frisch gepflügten Acker einem ganz in Rot gekleideten Mann begegnete. Es war der 12. April 1961. Der Mann war Juri Gagarin, der soeben den ersten bemannten Raumflug absolviert hatte.
In 7000 Metern Höhe hatte er wie geplant die Kapsel abgesprengt, den Schleudersitz betätigt und war schliesslich unverletzt mit seinem Fallschirm gelandet – wegen Fehlberechnungen der Flugbahn allerdings ganze 400 km entfernt vom geplanten Landepunkt.
Mutiger kleiner Mann
Dem Raumflug Gagarins, der genau 1 Stunde und 48 Minuten dauerte, ging ein beispielloser Wettlauf zwischen Russland und Amerika voraus. Nach zwei geglückten russischen Raumflügen im März, bei denen jeweils ein Hund und die Kosmonauten-Puppe Iwan Iwanowitsch sicher wieder auf die Erde zurückgekommen waren, verloren die Sowjets keine Zeit mehr. Für den ersten bemannten Raumflug gab es drei Kandidaten.
Dass die Wahl auf Gagarin fiel, war seiner für die sowjetische Propaganda günstigen Biografie geschuldet: Er entstammte einer Arbeiterfamilie. Auch seine Körpergrösse von 1,57 m sprach angesichts der beengten Verhältnisse in der Kapsel von Wostok 1 für ihn.
In den Weltraum zu fliegen, war ein mutiger Schritt. Zahlreiche Mediziner und Psychologen schätzten zu dieser Zeit die mentale und physiologische Belastung eines Raumflugs als nicht überlebbar ein. Man wusste nicht, ob ein Mensch in der Schwerelosigkeit atmen oder schlucken könne, ob er Schmerzen haben oder gar ins Koma fallen würde. Daher war es eine grosse Erleichterung, als Gagarin über Funk vom Blick aus dem Fenster der Raumkapsel schwärmte und berichtete, er könne Täler, Wälder und Wolken sehen.
Bekennender Christ
Am 14. April wurde Gagarin auf dem Roten Platz in Moskau von den sowjetischen Staatsmännern Chruschtschow und Breschnew empfangen. Gagarins Umfeld bestritt in der Folge immer, dass der erste Kosmonaut anlässlich der Begegnung gesagt haben soll: «Ich war im All und habe Gott nicht gefunden.» Vielmehr sei Gagarin bekennender Christ gewesen und habe an anderer Stelle gesagt, ein Astronaut könne nicht ins All fliegen, ohne Gott im Kopf und Herzen zu haben.
Seit Gagarins erstem Raumflug sind über 670 Menschen ins Weltall gereist. Dabei waren alle mindestens 100 km von der Erdoberfläche entfernt. Die ersten Fotos der Erde aus dem All waren so berührend, dass die Hoffnung aufkam, die Raumflüge würden die Menschheit moralischer und demütiger werden lassen.
Gagarin verunglückte 1968, erst 34-jährig, bei einem Übungsflug mit einem Kampfflugzeug. Die folgenden grossen Etappen der Raumfahrt erlebte er nicht mehr. Eine davon war 1969, als der erste Mensch – diesmal ein Amerikaner – den Mond betrat, acht Jahre nach Gagarins Raumflug.
* Nicole Arz ist Redaktionsleiterin von kathbern.