
«Sanctum Chrisma»: die heilige Salbe, mit der Täuflinge und Firmlinge gesalbt werden. Foto: Ruben Sprich
Glaubenssache: Gesalbt mit duftendem Öl
Christ:innen sind «Gesalbte». Nach der Taufe und bei der Firmung wurden sie mit Chrisam-Öl bezeichnet. Mit diesem Akt sind eine Erwählung und ein Auftrag verbunden.
Josef Willa
In der Karwoche weiht der Bischof die Heiligen Öle, die während dem Jahr für die Sakramente und Weihen in seinem Bistum Verwendung finden. Beim Chrisam-Öl wird dem Olivenöl Saft der Balsamstaude oder ein anderer Duftstoff beigemischt.
Der Bischof haucht über dem Öl und bittet Gott im Weihegebet: «Erhebe sie [die Getauften] zur Ehre von Königen, Priestern und Propheten»; sie sollen zu einem Tempel werden, «der erfüllt ist vom Duft eines gottgefälligen Lebens». Verschiedene biblische Motive klingen hier an.
Gesalbt mit dem Öl der Freude
Eine Salbung mit Öl ist eine Wohltat, sie reinigt, pflegt, stärkt, heilt und schützt den Körper, das wissen die Menschen des Mittelmeerraums seit der Antike. In der Bibel begegnet das Salben häufig und in vielfältiger Weise. Als Dienst an anderen ist es Ausdruck der Ehrerbietung, der Wertschätzung und Gastfreundschaft.
Im Alten Ägypten war es Brauch, den Gästen einen Salbkegel auf den Kopf zu setzen; das herabfliessende Öl kühlte das Haupt und verbreitete einen angenehmen Duft. Eine solche Geste liess der Pharisäer Simon offensichtlich gegenüber Jesus als seinem Gast vermissen (LK 7,46), wohingegen die anwesende Frau Jesus die Füsse salbte. Sie erwies ihm einen Liebesdienst und scheute dabei nicht, kostbares Öl zu verwenden.
Das Salböl trug zur Festlichkeit des Mahles bei und wurde als «Öl der Freude» (Psalm 45,8) erfahren, als Zeichen von Gemeinschaft und Lebensfülle. In Psalm 23,5 wird von Gott gesagt: «Du hast mein Haupt mit Öl gesalbt, übervoll ist mein Becher.»
Gesalbt zum König, Priester und Propheten
Der Dienst der Salbung drückt also Zuwendung zu einer Person aus, Ehrung und Würdigung. In der Antike wurde eine Person durch rituelle Salbung in ein Amt gehoben. Das Alte Testament erwähnt die Salbung von Königen in Israel, von Priestern und Propheten. Sie verleiht göttliche Legitimation, Würde und Macht, ist ein Zeichen dafür, unter Gottes besonderen Schutz und Beistand zu stehen.
Die Könige Saul, David und ihre Nachkommen tragen den Titel «Messias» – Hebräisch: Gesalbter. Zurzeit Jesu wird im Judentum der neue David, der erwartete endzeitliche Retter als der Gesalbte bezeichnet. Für die neutestamentlichen Schriften ist klar, dass Jesus dieser Gesalbte ist – der Christus (von griech. christos = Gesalbter). In der Nachfolge Jesu sind auch die Getauften gesalbt (2. Korintherbrief 1, 21f). Von Christus her erhalten sie Anteil an seiner königlichen, priesterlichen und prophetischen Würde und Aufgabe.
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