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Hat Trump im Zollwahn den Vatikan vergessen?

Donald Trump hat 90 Länder mit Einfuhrzöllen belegt. Darunter die Schweiz, die EU und eine unbewohnte Insel im Indischen Ozean. Den Vatikan scheint der Präsident vergessen zu haben.


Annalena Müller

Donald Trump, seines Zeichens erratischer Präsident mit einem Arsenal fragwürdiger Ideen, mag Zölle: «Zoll ist das schönste Wort im Wörterbuch» («Tarrifs is the most beautiful word in the dictionary»). Das «schönste Wort» hat der Präsident nun für gut 90 Staaten und Gebiete zu einer handelspolitischen Realität gemacht. 

Vatikan vergessen?

Am späten Mittwochabend europäischer Zeit verkündete Trump neue Zölle auf Produkte, die in die USA importiert werden. Die Schweiz trifft es mit 31 Prozent, die EU mit 20 und das südafrikanische Lesotho gar mit 50 Prozent.

Die Liste der Zollbetroffenen ist lang. Allein es fehlt der Vatikan - immerhin ein eigenständiger Staat im Herzen Europas. Nun könnte man einwenden, dass der Vatikan ausser Weihwasser, Rosenkränzen und liturgischen Gewändern wohl nicht allzu viel exportiert – und daher in Trumps globalem Handelskrieg keine Rolle spielt. Das mag stimmen. Doch solche Überlegungen scheinen im trump’schen Zollwahn bei anderen Entitäten keine Rolle gespielt zu haben

Zollpflichtige Pinguine 

Importe von den Heard und McDonald Islands sind neu mit einem Zoll von zehn Prozent belegt. Die Eilande im Indischen Ozean, sieben Tage Schifffahrt vom nächsten Hafen – Perth, Australien – entfernt, sind unbewohnt. Also, abgesehen von den einheimischen Pinguinen.
 


Laut der BBC sollen Menschen das letzte Mal 2016 auf Heard Island gewesen sein. Von exportfähigen Produktionsaktivitäten der örtlichen Pinguine wussten diese Besucher nichts zu berichten.

Keine Pinguine, dafür Menschen

Im Vergleich zu den Heard und McDonald Islands ist der Vatikan also eine dichtbesiedelte Exportgrossmacht. Laut der Webseite des Stadtstaates leben aktuell 882 Personen im vatikanischen Staatsgebiet. Nicht alle sind vatikanische Staatsbürger, fast die Hälfte haben eine andere Staatsangehörigkeit.

Im Gegensatz zu den Inseln leben im Vatikan übrigens keine Pinguine (von Nonnen, die manche respektlos als Pinguine bezeichnen mögen, mal abgesehen). Und anscheinend auch keine Haustiere – deren Zahl wird in der Rubrik «Population» mit «Null» angegeben. Stand: 2019.

Vatikanische Exporte sind geregelt

Nun könnte man einwenden, dass es nicht nur um die Zahl der Einwohner und Einwohnerinnen geht. Sondern auch, ob es bereits andere Zollverträge gibt. 

Für den Fall der Heard and McDonald Islands wissen wir das nicht – sie gehören zu Australien, es könnte also sein. Beim Vatikan hingegen scheint die Lage eindeutiger, wenn auch nicht unkompliziert.
 


Der Staat Vatikanstadt gehört weder dem europäischen Binnenmarkt noch dem Zollgebiet der europäischen Union an. Die Zollvorschriften zwischen der EU und Vatikan basieren auf einem Abkommen mit dem Königreich Italien aus dem Jahr 1930. Die im Vatikan hergestellten und nach Italien exportierten Waren sind von Zöllen befreit und geniessen ein präferenzielles Handelssystem. So steht es zumindest auf Wikipedia.

Zusammengefasst: Der Vatikan hat Einwohner und sein Export von Waren unterliegt bekannten Regelungen. Dennoch steht er nicht auf der Zoll-Liste des Weissen Hauses. Woran das liegt, ist genauso unklar wie die Frage, warum die Produkte einer Kolonie antarktischer Pinguine neuerdings zollpflichtig sind. Aber man kann ja spekulieren.

Katholische Lobby im Weissen Haus?

Mutmassung Nummer eins: Hat die katholische Lobby im Weissen Haus den Vatikan geschützt? In Trumps engsten Umkreis finden sich viele Katholiken und Katholikinnen – darunter sein Vizepräsident J.D. Vance und Aussenminister Marco Rubio. Viele traditionelle Katholik:innen haben Trump gewählt.  Haben diese ihren Einfluss geltend gemacht und den Papst somit vor Zöllen bewahrt?
 


«Vatican First»?

Mutmassung Nummer zwei: Sieht Trump im Vatikanstaat einen Bruderstaat.? Das mag zunächst absurd klingen. Aber man muss zwischen der Weltkirche und dem Kleinstaat unterscheiden. Und letzterer hat – zumindest für seine Bürger und Bürgerinnen – viele Privilegien – «Vatican first», sozusagen. 

So können Vatikanbürger:innen in speziellen Geschäften einkaufen, in denen keine Mehrwertsteuer erhoben wird. Sogar Autos können sie mehrwertsteuerfrei bestellen. Teuer wird es erst, wenn sie damit Rom verlassen, dann nämlich wäre der italienische Zoll zuständig.

Mutmassung Nummer drei: Hat Washington den kleinen Staat schlicht vergessen? Auch das ist eine Möglichkeit. Trotz guter katholsicher Kontakte haben wir beim «pfarrblatt» leider nicht die Telefonnummer von Marco Rubio, um nachzufragen. Auch kam die Autorin bisher nicht in den Genuss einer Einladung in einen Regierungschat. Daher bleiben auch bei uns viele offene Fragen, auf die wir keine Antwort haben. Ausser dieser kleinen Glosse.