
An Martina Seeliger-Wittwers Benefizkonzerten wechseln sich Puppentheater und Musik ab. Foto: Elisabeth Zschiedrich
Musik und soziales Engagement
Seit 25 Jahren geht es in der Berner Musikschule Martina Wittwer neben der Freude am Singen und Musizieren auch um Integration, Inklusion und soziale Hilfsprojekte. So war es auch bei den kürzlichen Benefizkonzerten in Köniz.
Elisabeth Zschiedrich
Die Musikschule von Martina Seeliger-Wittwer in Bern ist keine normale Musikschule. Auch das Konzert, das sie am 22. und 23. März mit ihrem Mann, dem Musikpädagogen Mario Seeliger, und mit Schüler:innen in der Aula des Oberstufenzentrums Köniz aufgeführt hat, war kein normales Konzert.
«Eigentlich ist es ein Puppenmusical», sagt Seeliger-Wittwer. Gespielt wurde das Stück «D‘Lotte u dr bruni Sack». Im Mittelpunkt steht Lotte, ein fröhliches, selbstbewusstes Mädchen, eine Handpuppe mit grossem Mund und Blümchensandalen. Mit dabei sind auch ihr Grosi, ihr Grossvater, der Pfarrer, ihre Freundin Kathi, Kasperli und Polizist Spycher.
Lotte ärgert sich über den Müll, den sie im Wald entdeckt. Sie fragt sich, wo die Pappe, die Flaschen und die Dosen herkommen und ob es die ganzen Verpackungen überhaupt braucht. Zusammen mit ihrem Grossvater berichtet sie über das Land Peru und über das Müllproblem, das es dort gibt. Zwischendurch kommt es zu allerlei Verwirrung, Witzen und Missverständnissen.
Zwischen den Szenen gibt es Musik. Schüler:innen im Alter von fünf bis 75 Jahren spielen Klavier, Keyboard, Akkordeon, Schwyzerörgeli, Blockflöte und Mundharmonika.

Lotte in Peru
Die Kombination aus Konzert und Puppentheater bringen Seeliger-Wittwer und ihr Mann schon seit zwölf Jahren erfolgreich auf die Bühne. Die Theaterstücke schreibt die 48-Jährige selbst. Ihr Mann kümmert sich um die Tontechnik und Lichteffekte.
Seit vier Jahren dienen die Konzerte einem guten Zweck. Die Spenden des Publikums gehen an internationale Hilfsprojekte. Dieses Jahr profitiert das Projekt «Mehr Sensibilisierung für eine bessere Umwelt», das von der Schweizer Organisation für Entwicklungszusammenarbeit «Comundo» getragen wird.
Mit Lucía Téllez, einer Schweizer Umweltwissenschaftlerin in Peru, hat Seeliger-Wittwer schon seit Längerem Kontakt. Es gibt sogar eine zweite Handpuppe namens Lotte, die bei Téllez in Peru lebt und die Fachperson von «Comundo» bei Flusssäuberungsaktionen oder beim Unterricht rund ums Thema Umweltschutz begleitet. Sie berichtet den Schweizer Musikschüler:innen via Blog und Fotos immer wieder von ihren Erlebnissen.
Offen für Menschen mit Behinderung
Die Benefizkonzerte sind nur ein Teil von Seeliger-Wittwers sozialem Engagement. Ihre Musikschule ist offen für Menschen mit Behinderung. «Geht nicht, gibt es für uns nicht. Wir finden für alle eine Lösung», sagt Seeliger-Wittwer.
Auch körperlich und geistig behinderte Kinder und Erwachsene bekommen in der Musikschule an der Effingerstrasse Instrumentalunterricht. Die Musikschule wird nicht vom Kanton unterstützt. Nach den Massstäben einer staatlich geförderten Einrichtung könnten sie nicht bestehen, sagt Seeliger-Wittwer. «Wir arbeiten doppelt so viel für nur halb so viel Geld.» Wer das Konzert in Köniz erlebt hat, erahnte, dass das nur funktioniert, weil Seeliger-Wittwer und ihr Mann nicht nur von der Freude an der Musik angetrieben werden.
Ihr Credo ist wohl auch ein Satz aus dem selbst komponierten Lied, das am Ende des Konzerts erklingt: «Jeder Mensch auf dieser Erde hat ein Recht zum Glücklichsein.»