
Leere Kirchenbänke. Foto: iStock
Repräsentative Umfrage: katholische Kirche hat schlechtes Image
Eine repräsentative Umfrage zum Image der Kirche in der Deutschschweiz zeigt, wo es besonders hakt. Die Ergebnisse waren erwartbar. Einiges aber überrascht.
Annalena Müller
Die Zürcher Kantonalkirche hat eine Umfrage zum Image der katholischen Kirche in Auftrag gegeben. Befragt wurden nicht nur Kirchenmitglieder, sondern die Bevölkerung allgemein (siehe Infobox). Das Ergebnis der repräsentativen Umfrage zeigt: Mehr noch als an den Missbrauchsskandalen krankt die Reputation der Kirche hierzulande an ihrem Umgang mit Frauen.
Dass die katholische Kirche sich keiner guten Reputation erfreut, dürfte niemanden überraschen. Dennoch sind die Ergebnisse der vom Meinungsforschungsinstitut «Sotomo» durchgeführten Umfrage interessant. Sie erlauben erstmals differenzierte Einblicke in das Ansehen der Kirche bei verschiedenen Bevölkerungsgruppen und ermöglichen auch den Vergleich zur reformierten Kirche.
Katholische Kirche hat schlechtes Image
Wenig überrascht, dass das Ansehen der katholischen Kirche stark unter der Missbrauchskrise leidet. Während dies in der katholischen Kirche seit bald 25 Jahren ein Dauerthema ist, sieht es bei der reformierten Kirche (noch) anders aus.
Dies schlägt sich in der unterschiedlichen Wahrnehmung der beiden grossen christlichen Kirchen nieder. 65 Prozent der Befragten – über die Konfessionsgrenzen hinweg – geben an, die Reputation der katholischen Kirche sei schlecht oder eher schlecht. Zum Vergleich: Über die reformierte Kirche sagen dies nur 20 Prozent. Während 40 Prozent der Befragten ein positives oder eher positives Bild der reformierten Kirche haben, gilt dies nur für 15 Prozent in Bezug auf die katholische Kirche.
Frauen und Jüngere besonders kritisch
Am kritischsten eingestellt gegenüber der katholischen Kirche sind Frauen und Menschen unter 60 Jahren. Doch selbst bei den über 60-Jährigen, der demografischen Kerngruppe beider Kirchen, bewertet eine deutliche Mehrheit (57 Prozent) die katholische Kirche negativ oder eher negativ.
Die schlechte Reputation der katholischen Kirche resultiert nicht nur aus ihrer zögerlichen Aufarbeitung der Missbrauchsskandale der letzten Jahrzehnte. Sondern auch, weil ihre internen Strukturen über alle Altersgruppen hinweg als diskriminierend und unzeitgemäss wahrgenommen werden.
Kirchensteuern kein Hauptgrund für Austritte
Tatsächlich belegt die Missbrauchskrise in der Rangfolge der Kritikpunkte «nur» den zweiten Platz. Hauptkritikpunkt für die Menschen in der Deutschschweiz ist die Haltung der Kirche zur Frauenordination: 89 Prozent der Befragten kritisieren diese. 83 Prozent kritisieren den Glaubwürdigkeitsverlust aufgrund der Missbrauchsfälle. Für jeweils 80 Prozent sind zudem die hierarchische Struktur der Kirche sowie ihre Haltung zu Abtreibung und Homosexualität gewichtige Kritikpunkte.
Eine vergleichsweise untergeordnete Rolle hingegen spielen die Kirchensteuern. Nur 43 Prozent der Befragten geben diese als möglichen Austrittsgrund an. Dies ist bemerkenswert, da insbesondere in konservativen Kreisen die breite Abkehr von der Kirche oft mit einer vermeintlichen Unwilligkeit zur Zahlung der Kirchensteuer erklärt wird. Die «Sotomo»-Umfrage zeigt jedoch: Es sind nicht die finanziellen Aspekte, sondern inhaltliche Fragen, die Menschen zum Kirchenaustritt bewegen.
Gesellschaftliches Engagement als wichtiger Faktor
Gleiches gilt – und das ist die positive Nachricht – auch für das Verbleiben in der Kirche. Trotz aller Kritikpunkte ist die katholische Kirche weiterhin für ihr soziales Engagement und ihre Bedeutung für die Gemeinschaft hoch angesehen.
Das gesellschaftliche und entwicklungspolitische Engagement schätzen 51 Prozent der Befragten. Unter Mitgliedern der katholischen Kirche sind es sogar 71 Prozent. 33 Prozent nennen kirchliche Aktivitäten und 29 Prozent religiöse Feiern als wertvoll, bei Katholik:innen sind es 53, respektive 65 Prozent.
Es sind diese Punkte, in denen Simon Spengler, Sprecher der katholischen Kirche im Kanton Zürich, die Schlüssel für die künftige Kirchenkommunikation sieht. «Die beiden wichtigsten Argumente für Menschen, in der Kirche zu bleiben, sind das soziale Engagement und das tragende Miteinander im kirchlichen Leben in guten wie in schweren Zeiten. Diese beiden Aspekte sollen daher in den Fokus gerückt werden: Kirche miteinander und füreinander», so Spengler gegenüber dem «pfarrblatt».
Die Umfrage, welche die Zürcher Kantonalkirche 40'000 Franken gekostet hat, wird Grundlage für eine Kommunikationskampagne sein. Diese soll zur Verbesserung der kirchlichen Reputation im Kanton Zürich beitragen, so Spengler. Auch in Bern kennt man die Ergebnisse der Umfrage. Konkrete Pläne für eine Kampagne gibt es laut dem hiesigen Leiter Kommunikation, Charles Martig, bisher keine.
Methode der «Sotomo»-Umfrage
Die Daten wurden zwischen dem 19. September und dem 29. Oktober 2024 erhoben. Die Grundgesamtheit der Befragung bildet die Wohnbevölkerung der Deutschschweiz. Die Befragung erfolgte online, und die Teilnehmenden wurden über das Online-Panel von «Sotomo» rekrutiert. Nach Bereinigung und Kontrolle der Daten konnten die Angaben von 2'913 Personen für die Auswertung verwendet werden. Darunter befanden sich 705 Mitglieder der katholischen Kirche, 517 ehemalige Mitglieder der katholischen Kirche, 853 Mitglieder der reformierten Kirche und 558 ehemalige Mitglieder der reformierten Kirche.
Mögliche Verzerrungen in der Stichprobe wurden durch statistische Gewichtungsverfahren ausgeglichen. Zu den Gewichtungskriterien zählen Geschlecht, Alter, Bildung, der Urbanitätsgrad der Gemeinde, Wahlverhalten und Gläubigkeit. Dieses Vorgehen gewährleistet eine hohe soziodemografische Repräsentativität der Stichprobe. Für die Gesamtstichprobe beträgt das 95-Prozent-Konfidenzintervall (bei einem 50-Prozent-Anteil) +/-1,9 Prozentpunkte.